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2 - Kreta - Zu Besuch beim Olivenölhersteller Vassilakis Estate und Qualitätsmerkmale eines Olivenöls

Aktualisiert: 27. Nov. 2025





Ein Highlight: Zu Besuch beim Olivenölhersteller

Vassilakis Estate in Neapoli


Ganz in der Nähe unserer Unterkunft befand sich der Olivenölhersteller Vassilakis, ein mittelständisches Unternehmen, das Führungen durch die Produktion und Verkostungen durchführt. Diese Chance wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Punkt 10.00 Uhr standen wir zur Öffnung bei Vassilakis bereit, und obwohl normalerweise sonntags dort keine Führung stattfindet, nahm sich eine nette Mitarbeiterin die Zeit und zeigte uns ganz exklusiv die gesamte Produktionsanlage.



Vassiklakis ist ein 125 Jahre altes Familienunternehmen. Vorn am Eingang stand noch eine traditionelle Ölpresse aus Mühlsteinen. Heute werden die Oliven mit neuester Technologie zu Olivenöl verarbeitet. Was mich beim Anblick der alten Ölpresse interessierte war die Frage, ob die Oliven bzw. das Öl beim Konktakt mit dem Sauerstoff, den es zweifelsfrei beim Pressen auf traditionelle Art ausgesetzt war, nicht oxidiert? Sie meinte, dass dies jedoch nicht so schnell nicht passiert und kein Problem darstellt.


Aber der Reihe nach: Fangen wir erst einmal bei der Olivenöl-Ernte an. Diese war bei unserer Ankunft im vollen Gange. Wie uns die Mitarbeiterin von Vassilakis berichtete, geht die Ernte hier ungefähr von Mitte Oktober bis Januar. Das hängt von der Sorte, dem Standort, dem Klima und Wetter und dem Reifegrad ab. Auf Kreta gibt es hauptsächlich die Koroneiki-Olive. Sie ist klein und besonders saftig und eignet sich daher perfekt für die Ölproduktion. Tatsächlich dienen rund 90% der kretischen Oliven der Ölproduktion. Kreta produziert etwa 30-35% des griechischen Olivenöls und hat unglaubliche 30 - 35 Millionen Olivenbäume, von denen manche über 3000 Jahre alt sind!



Überall in den Hainen sind die Netze unter den Bäumen ausgelegt, manchmal geht es dabei an Berghängen steil bergab. Schon morgens fahren die Trecker oder Pick-Ups mit den Erntehelfern in die Haine. Vielleicht mag der eine oder andere Familienbetrieb die Oliven noch mit der Hand vom Baum pflücken - wir haben die Erntearbeiter mit elektrischen Rüttelgeräten (mittleres Bild) ernten gesehen. Damit werden die Oliven durch die Rüttelbewegungen der kleinen Ärmchen rotierend vom Baum abgeschüttelt und in den Netzen aufgefangen. Mit ins Netz fallen kleine Zweige und viele Blätter. Daher muss erst noch einmal von Hand gerecht werden, bevor die Oliven in luftdurchlässige Jutesäcke verstaut werden. Entweder werden sie noch am selben Tag oder am nächsten eingesammelt und zur Produktionsstätte gefahren.



Hier sieht man die alten Mühlsteine, mit denen die Oliven früher traditionell zu einer Paste vermahlen wurden - entweder von Menschenhand oder von Eseln bewegt. Diese Paste kam dann zwischen Matten („Presskuchen“), die mechanisch gepresst wurden. Das Öl-Wasser-Gemisch, das herauslief, wurde später getrennt.




Heute erledigen hochmoderne Anlagen den Job der Olivenpressung in mehreren Schritten:


Die Oliven werden zunächst noch einmal von den restlichen Blättern getrennt und anschließend gewaschen. Danach werden sie mit Hammermühlen zerkleinert und gemahlen, so dass eine Paste entsteht (das geschieht in der geschlossenen Maschine, so dass sie wenig mit Sauerstoff in Berührung kommen und nicht oxidieren). Die Paste wird geknetet (das nennt man malaxieren), um die Öltröpfchen zu bündeln. Anschließend erfolgt die Zentrifugation, d.h. die Paste wird in einer Hochgeschwindigkeitszentrifuge verarbeitet, die Öl, Wasser und Feststoffe trennt. Das Ganze nennt man "Extraktion des Öls", weil das Öl aus der Olivenpaste mechanisch extrahiert wird - und nicht chemisch, wie es bei anderen Pflanzenölen (z.B. Rapsöl) üblich ist.


Bei dem ganzen Verfahren steigt die Temperatur niemals über 27°C, versicherte uns die Mitarbeiterin. Dies ist übrigens die maximale Temperatur, die für die Bezeichnung "kalt gepresst" zulässig ist. Wenn man bedenkt, dass auf Kreta auch im Herbst noch Temperaturen von über 30° möglich sind, haben hier die modernen Produktionsanlagen den Vorteil, dass die Temperatur exakt gesteuert werden kann.



Vassilakis baut sowohl bio als auch konventionell an, d.h. dann unter Einsatz von Pestiziden. Wenn du an den Bäumen Flaschen mit einer gelben Flüssigkeit hängen siehst (Foto Mitte), handelt es sich um natürliche Ölfliegen-Fänger, also Bio-Anbau.


Bei Vassilakis, wie auch bei anderen großen Ölproduzenten, wird das Öl dann in riesigen Edelstahltanks gelagert. Das hochwertige Bio-Olivenöl befindet sich in den kleineren Tanks, das konventionelle in den großen (Foto rechts).


Kulinarische Highlights und Hautpflege mit Olivenöl


Natürlich stand am Ende der Führung auch eine Verkostung an. Wir testeten verschiedene Olivenöle (konventioneller Anbau / Bio und Öle mit unterschiedlichem Säuregehalt), mehrere Geschmacksrichtungen von Balsamicodressings (soooo lecker) und eine Olivenmarmelade. Am Ende fanden alle drei Köstlichkeiten in unserem Koffer noch ein Plätzchen. Außerdem wurde mir versichert, dass mich die Antifalten-Olivenöl-Gesichtscreme sofort um 10 Jahre jünger aussehen lässt :) Na denn... Auf jeden Fall fühlt sie sich himmlisch auf der Haut an.


Die Olivenmarmelade war neu für uns. Sie ist sehr lecker, enthält allerdings neben Kumquats auch jede Menge Gelierzucker. Nun dachte ich: kein Problem, ein paar Oliven, ein paar süße Früchte (ich habe es mit Himbeeren und Datteln versucht), das ganze püriert und fertig ist eine leckere, selbst gemachte Olivenmarmeldade. Denkste. Schmeckte echt bäh.

Falls du jedoch ein gutes Rezept hierzu kennt, dann schreibe mir gern und ich veröffentliche es mit deinem Namen.


Eine Frage ist jetzt noch offen. Wie gesagt, haben wir Öle unterschiedlicher Qualität gekostet. Deshalb gibt es jetzt noch einen kleinen Exkurs in die Welt des Olivenöls.



Welche qualitativen Merkmale weist ein gutes Olivenöl auf?


Gleich vorweg: Es gibt einige Merkmale, auf die du achten kannst. Es gibt aber auch insbesondere ein Merkmal, das auf den Flaschen im Supermarkt oder auch Reformhaus i.d.R. nicht deklariert ist, aber für die Qualität des Öls tatsächlich ganz wichtig ist, nämlich die Angabe des Säuregehalts, d.h. konkret die freie Fettsäurenkonzentration.


Je niedriger der Säuregehalt ist, desto frischer und qualitativ hochwertiger ist das Olivenöl!


Du kannst aber bei hochwertigen Ölen, die du direkt beim Erzeuger beziehst, die Angabe entweder auf der Homepage sehen oder nachfragen.


Der Säuregehalt hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Olivensorte

  • Erntezeitpunkt (je früher, desto höher der Säuregehalt, z.B. bei jungen, grünen Oliven)

  • Die Verarbeitung (keine lange Lagerung der Oliven, schnelles Mahlen, kurze Malaxation, schonende Zentrifugation)

  • Lagerung (Hitze, Licht, Luft).


Auf einer Olivenölflasche findest du die Bezeichnung "Natives Olivenöl Extra". Das bedeutet, dass der Säuregehalt unter 0,8% liegt (wie weit darunter steht in der Regel jedoch nicht auf der Flasche). Das Bio-Olivenöl von Vassilakis z.B. hat einen Säuregehalt von 0,4 - 0,5%. Das Öl unseres zweiten Vermieters auf Kreta, der ebenfalls Olivenöl produziert, hat einen Säuregehalt von 0,3% - absolut spitze! "Natives Olivenöl" liegt über 0,8% und ist qualitativ also nicht so hochwertig wie Extra Natives Olivenöl.


Dann hatten wir schon den Punkt biologischer Anbau. Häufig siehst du das europäische Biosiegel (ein grünes Blatt).



  • Keine chemisch-synthetischen Pestizide: Der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln ist verboten.

  • Keine Gentechnik: Gentechnik ist nicht erlaubt.

  • Keine synthetischen Dünger: Es dürfen keine synthetischen Dünger verwendet werden



  • Natürliche Pflanzenschutzmittel: Erlaubt sind Mittel natürlichen Ursprungs, wie pflanzliche und tierische Substanzen oder natürliche Mikroorganismen.

  • Abdrift: Es kann zu einer geringen Belastung durch Abdrift von Pestiziden von benachbarten konventionellen Feldern kommen.


Als weiteres Kriterium kannst du das Erntejahr und Mindesthaltbarkeitsdatum heranziehen. Das Öl sollte innerhalt von 18 Monaten konsumiert werden.


Ebenfalls auf der Flasche findest du den Herkunftshinweis. Ist das Öl sortenrein? Dann stammen die Oliven aus einem Anbaugebiet. Manchmal findest du auch den Hinweis, dass die Oliven aus Ländern der EU stammen oder aus Drittländern.


Die Hinweise "kalt gepresst" und "Erste Pressung", "nur mit mechanischen Verfahren" sind bei einem Nativen Olivenöl extra eigentlich überflüssig, da dies eine Pflichtvoraussetzung für diese Bezeichnung ist.


Bleiben noch die Trübung und der Geschmack des Öls:

Je früher Oliven geerntet werden, desto fruchtiger und bitterer ist das Öl (nicht zu verwechseln mit dem Säuregehalt). Ein bitterer Geschmack muss deshalb nicht heißen, dass das Olivenöl qualitativ nicht hochwertig ist - im Gegenteil: Es ist ein Zeichen von Frische, und das Öl enthält noch einen hohen Anteil von wertvollen Antioxidantien (entzündungshemmend und krebsvorbeugend).

Ranzig sollte ein Öl hingegen nicht schmecken. Es darf auch naturtrüb sein. Es entspricht zwar nicht unbedingt unserer hiesigen Erwartungshaltung, aber die Produzenten selbst wissen es durchaus zu schätzen, da das Öl dann weniger gefiltert wurde und noch mehr wertvolle Polyphenole und Antioxidantien enthält.


Wenn Du mal die Chance hast, einen Erzeuger im Herkunftsland zu besuchen, zu sehen, wie er erntet, wie und wie schnell die Oliven verarbeitet werden und dir dort auch der Säuregehalt genannt wird (bzw. auf den Flaschen deklariert wird), dann wird das Öl höchstwahrscheinlich ein hochwertiges (Bio-) Öl sein.


Sehr spannend und interessant ist auch der folgende Videobeitrag von einem hochtechnologischen Großunternehmen in Chania auf Kreta (dessen Öl sich unter vielen Namen in unseren Supermarktregalen wieder findet) und einem Familienunternehmen, das noch traditionell arbeitet.



Und warum ist Olivenöl so gesund?


Olivenöl wird auch als "flüssiges Gold" bezeichnet und ist das Herzstück der mediterranen Küche. Ein Kretaner konsumiert im Jahr ca. 20-30 Liter Olivenöl, also rund 3-5 Esslöffel täglich!


Olivenöl gilt als Herzstück der mediterranen Ernährung – und das aus gutem Grund. Sein gesundheitlicher Wert beruht auf der einzigartigen Kombination aus einfach ungesättigten Fettsäuren, Antioxidantien und sekundären Pflanzenstoffen.

Es erhöht das "gute" HDL-Cholesterin und senkt das "schlechte" LDL-Cholesterin. Das schützt das Herz und unterstützt die Gefäßgesundheit.

Doch Olivenöl kann noch mehr: Die Polyphenole wirken entzündungshemmend und schützen die Zellen vor freien Radikalen. Besonders frisches, natives Olivenöl extra enthält viele dieser sekundären Pflanzenstoffe und bietet daher den maximalen gesundheitlichen Nutzen.

Zusätzlich liefert Olivenöl Vitamin E und Carotinoide, die antioxidativ wirken und das Immunsystem stärken. Studien zeigen, dass der regelmäßige Verzehr von hochwertigem Olivenöl Blutzucker reguliert, Entzündungen reduziert und sogar das Risiko für Demenz senken kann.


  • Prevention of type 2 diabetes in prediabetic patients by using functional olive oil enriched in oleanolic acid: The PREDIABOLE study: Eine randomisierte kontrollierte Studie mit Personen im Prädiabetes‑Stadium (176 Teilnehmer), die zeigte, dass die Einnahme eines Olivenöls mit zusätzlicher Oleanolsäure das Risiko für Neuerkrankung an Typ 2‑Diabetes gegenüber einer Kontrollgruppe deutlich senkte (Hazard Ratio etwa 0,45) . PubMed

  • Consumption of Olive Oil and Diet Quality and Risk of Dementia‑Related Death (veröffentlicht in JAMA Network Open 2024): Eine große prospektive Kohortenstudie (über 92.000 Personen, ca. 28 Jahre Nachbeobachtung), die fand, dass bei täglichem Verzehr von mehr als 7 g Olivenöl das Risiko, an Demenz zu sterben, um rund 28 % niedriger war als bei sehr geringem oder keinem Konsum.


Kurz gesagt: Olivenöl schützt Herz, Gehirn und Zellen – und bringt dabei noch unvergleichlichen Geschmack auf den Teller.


Und: Keine Angst vor gutem Fett. Damit das Olivenöl seine volle gesundheitliche Wirkung entfalten kann, dürfen wir pro Tag mindestens 2 Esslöffel Olivenöl zu uns nehmen.


Für mich gehört es zum Genuss im Leben und auch in meiner Ernährungsberatung definitiv dazu und leistet einen wertvollen Beitrag für die Gesundheit.


Ah! Und eine Frage kommt sehr oft: Kannst du Olivenöl zum Kochen und Braten verwenden und bis zu welcher Temperatur darfst du es eigentlich erhitzen, ohne dass es beginnt zu rauchen und gesundheitsschädliche Stoffe wie Acrolein und andere giftige Verbindungen entstehen?


Die Antwort ist: Du darfst es bis zu 180° erhitzen, und somit auch noch zum Braten verwenden (mein Tipp: halbe Stufe reicht).


Hat dir der kleine Exkurs gefallen? Dann freue ich mich über ein Like oder einen Kommentar von dir.



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